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Seit dem 1. November 2019 werden alle vollstationären Pflegeeinrichtungen sowie Kurzzeitpflegeeinrichtungen nach einem neuen Verfahren geprüft. Das System der internen Qualitätssicherung, der externen Qualitätsprüfung und der Qualitätsdarstellung hat sich grundlegend verändert.

Impulse für eine gute Pflege: Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst im Pflegeheim

Fragen und Antworten zur Qualitätsprüfung für Pflegeheime

Warum wurde die Qualitätsprüfung des Medizinischen Dienstes in vollstationären Pflegeeinrichtungen verändert?

Seit 2011 werden Pflegeheime und ambulante Pflegedienste im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen einmal jährlich geprüft (Regelprüfung). 90 Prozent der Qualitätsprüfungen führt der Medizinische Dienst durch und 10 Prozent der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung. Im alten Verfahren stand insbesondere die Veröffentlichung der Qualitätsergebnisse – die sogenannten Pflegenoten – in der Kritik.

Mit den seit 01. November 2019 gültigen Qualitätsprüfungsrichtlinie vollstationär (QPR) wurde die Qualitätsprüfung von vollstationären Pflegeeinrichtungen sowie solitären Kurzzeitpflegeeinrichtungen sowohl inhaltlich als auch in der Darstellung der Ergebnisse grundlegend reformiert. Die QPR vollstationär basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen – und wurde durch das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW) und das aQua Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH entwickelt.

Die Systematik umfasst nun drei Bausteine:

  • Interne Sicht: Indikatoren zur Beurteilung der Ergebnisqualität
  • Externe Sicht: Neues Konzept für die Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst und den Prüfdienst der PKV
  • Qualitätsdarstellung: Neues Konzept für öffentliche Qualitätsberichte über die Einrichtung

Alle vollstationären Pflegeeinrichtungen erheben seit 2019 halbjährlich Qualitätsdaten zur Versorgung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Beispielsweise wird erfasst, wie mobil und selbstständig diese sind, wie oft ein Dekubitus oder ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust eingetreten ist.

Diese Qualitätsindikatoren werden an die Datenauswertungsstelle (DAS) übermittelt, dort auf deren Vollständigkeit und statistische Plausibilität geprüft und ausgewertet. Die DAS vergleicht die Indikatorenergebnisse jeder vollstationären Einrichtung mit den Daten aller Einrichtungen bundesweit. Die Einrichtung erhält einen Bericht mit Hinweisen zur Plausibilität der Daten sowie darüber, ob sie besser oder schlechter als der bundesweite Durchschnitt ist. Dieser Bericht geht auch an den Medizinischen Dienst für die Qualitätsprüfung.

Wie prüft der Medizinische Dienst die Qualität in vollstationären Einrichtungen?

Die Bewertung der Pflegequalität durch den Medizinischen Dienst basiert auf einem persönlichen Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und auf deren Inaugenscheinnahme. In jeder Einrichtung wird anhand einer Stichprobe von neun versorgten Personen die Qualität der Versorgung bei jedem Einzelnen überprüft. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig. Die Qualitätsprüferinnen und -prüfer des Medizinischen Dienstes holen hierfür die Einwilligung der versorgten Personen bzw. von deren gesetzlichen Vertretern ein.

Bei sechs der neun Personen wird zudem geprüft, ob die von der Einrichtung ermittelten Qualitätsindikatoren plausibel sind: Passt das Bild, das sich der Medizinische Dienst gemacht hat zu dem, was die Pflegeeinrichtung an die Datenauswertungsstelle gemeldet hat?

Bei der Qualitätsprüfung vollstationärer Pflegeeinrichtungen überprüft der Medizinische Dienst komplexe Qualitätsaspekte anstatt einzelner Kriterien und fokussiert die individuelle Versorgung - wie beispielsweise "Wie wird auf individuelle Risiken reagiert und inwieweit gibt es negative Konsequenzen für die versorgte Person?"

Die Qualitätsprüferinnen und -prüfer des Medizinischen Dienstes bewerten die Pflegequalität bei den versorgten Personen nach vier Kriterien:

  • Keine Auffälligkeiten oder Defizite
  • Auffälligkeiten, die keine Risiken erwarten lassen
  • Defizit mit Risiko negativer Folgen
  • Defizit mit eingetretenen negativen Folgen

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Beurteilung der Versorgungsqualität der Bewohnerinnen und Bewohner ist das Fachgespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflegeeinrichtung, bei dem Fragen der Bewohnerversorgung erörtert und geklärt werden. Die Qualitätsprüferinnen und -prüfer des Medizinischen Dienstes informieren die Einrichtung über ihre Stärken, beraten die Einrichtung bei festgestellten Mängeln und geben Empfehlungen, wie die Qualität verbessert werden kann.

Nach der Prüfung erstellt der Medizinische Dienst einen Bericht für die Landesverbände der Pflegekassen, die zuständige Heimaufsichtsbehörde und die Pflegeeinrichtung. Bei Qualitätsdefiziten geben die Qualitätsprüferinnen und -prüfer des Medizinischen Dienstes konkrete Empfehlungen zur Beseitigung.

Die Landesverbände der Pflegekassen erteilen dem Träger der Pflegeeinrichtung nach der Anhörung einen Maßnahmenbescheid mit einer angemessenen Frist zur Beseitigung der Mängel und beauftragen ggf. den  Medizinischen Dienst mit einer Wiederholungsprüfung.

Welche Rolle spielt die Pflegedokumentation?

Entscheidend ist, ob die versorgten Personen von der vollstationären Einrichtung so unterstützt werden, wie es ihrem individuellen Bedarf und ihren individuellen Bedürfnissen entspricht und inwieweit gesundheitliche Schädigungen durch Handeln oder Unterlassen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung entstanden sind.

Wie kündigt der Medizinische Dienst seine Prüfung an?

Das Fachgespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflegeeinrichtung ist ein wichtiger Bestandteil der Qualitätsprüfung. Deshalb sieht der Gesetzgeber vor, dass der Medizinische Dienst die Regelprüfung bei der Einrichtung am Vortag ankündigt.

So kann die Pflegeeinrichtung ausreichend zeitliche Ressourcen für das Fachgespräch einplanen und die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner während der Qualitätsprüfung sicherstellen.

Bei Anlassprüfungen, die die Landesverbände der Pflegekassen nach Hinweisen auf Mängel beim Medizinischen Dienst beauftragen können, erfolgen die Prüfungen wie bisher unangemeldet.

Was hat sich für die vollstationären Pflegeeinrichtungen geändert?

Die größte Herausforderung für die Einrichtung liegt in der Indikatorenerfassung. Die Pflegeeinrichtungen erheben seit Oktober 2019 halbjährlich Daten über die Versorgungsergebnisse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner und übermitteln sie an die Datenauswertungsstelle (DAS).

Die Einrichtungen haben ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierfür geschult.

Zudem nimmt das Fachgespräch bei der externen Qualitätsprüfung einen höheren Stellenwert ein – darauf haben sich die Pflegekräfte vorbereitet.

Was ist bei der ambulanten Pflege geplant?

Für ambulante Pflegedienste haben die Hochschule Osnabrück sowie das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld ebenfalls Vorschläge für eine analoge Anpassung der Qualitätsprüfungen erarbeitet. Bevor die Ergebnisse umgesetzt werden können, ist eine Pilotierung erforderlich. Am 1. Mai 2019 startete das Pilotierungsprojekt zu den Instrumenten und dem Verfahren für Qualitätsprüfungen nach §§ 114 ff. SGB XI und die Qualitätsdarstellung nach § 115 Abs. 1a SGB XI in der ambulanten Pflege.

Der Qualitätsausschuss Pflege hat das IGES-Institut mit der Pilotierung beauftragt. Das Instrument wird auf seine allgemeine Praktikabilität und messtheoretische Plausibilität geprüft. Die Studie läuft bis Mitte 2020. In Abhängigkeit von den Pilotierungsergebnissen entscheidet der Qualitätsausschuss Pflege, ob das Prüfinstrument angepasst werden muss und ob sich eine weitere Pilotierungsphase anschließen wird. Nach deren Abschluss werden die Qualitätsvereinbarungen, die Qualitätsprüfungs-Richtlinien und die Qualitätsdarstellungs-Vereinbarung für die ambulanten Dienste erarbeitet.

Was prüft der Medizinische Dienst bei den Bewohnern?

Stand: September 2020