Zur Veranstaltung kamen Gäste aus Politik, Pflege, ambulanter und stationärer Versorgung, Kranken- und Pflegekassen sowie dem Verwaltungsrat zusammen um darüber zu diskutieren, wie sich die aktuellen Herausforderungen gemeinsam bewältigen lassen.
„Wichtige Rolle für unser Gesundheits- und Pflegesystem“
Hubert Seiter, alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrats, eröffnete den Abend und begrüßte die Gäste. Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, betonte in seinem Grußwort: „Der MD Baden-Württemberg übernimmt eine wichtige Rolle für unser Gesundheits- und Pflegesystem, denn er trägt dazu bei, die Qualität zu sichern, eine gerechte Versorgung zu unterstützen und die vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen."
Er betonte die Bedeutung eines leistungsfähigen, unabhängigen und regional verankerten Medizinischen Dienstes. Die regionale Verankerung stärke die Nähe zu den regionalen Bedarfen und den Austausch vor Ort. Die Digitalisierung nannte er die größte Chance und zugleich die größte Herausforderung für das Gesundheitswesen. Sie müsse klug umgesetzt werden: Prozesse vereinfachen, Qualität steigern und fachliche Kapazitäten sinnvoll einsetzen. Dem MD Baden-Württemberg dankte er für seine Innovationsbereitschaft.
Mehr Prüfungen, begrenzte Ressourcen: KI als Antwort
Andreas Klein, Vorstandsvorsitzender des MD Baden-Württemberg, stellte aktuelle Themen vor. Die Auswirkungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes beschäftigen die Medizinischen Dienste derzeit stark, denn das Gesetz bringt deutlich mehr Prüfaufgaben mit sich, unter anderem durch höhere Prüfquoten bei Krankenhausabrechnungen. Beim MD Baden-Württemberg rechnet man für 2027 mit rund 350.000 Krankenhausabrechnungsprüfungen. Aktuell sind es etwa 145.000 pro Jahr, das wäre ein Anstieg von rund 140 Prozent.
Mehr Personal allein sei dafür nicht die Lösung, so Klein. „Für gute Qualität brauchen wir gute Leute in der Versorgung." Es dürfe nicht sein, dass diese Fachkräfte der Versorgung entzogen werden, um Qualität zu prüfen. Der MD Baden-Württemberg setzt deshalb auf KI. Die Initiative dafür kam aus der Belegschaft: Ärztinnen und Ärzte hatten gefragt, was die KI ihnen abnehmen kann. Heute spart die Lösung bis zu 45 Prozent Zeit pro Begutachtung. Klein betonte: Um KI gut einzusetzen, braucht es menschliche Intelligenz und Werte, und dafür den Austausch.
Geführter Dialog: Qualität sichern, Digitalisierung nutzbar machen
Dr. Thomas Rösel, Leitender Arzt des MD Baden-Württemberg, moderierte den Dialog zwischen den Gästen. Im Fokus standen u. a. die Fragen:
- Qualität und Prüfaufwand: Wie viel Prüfung ist nötig? Wie kann Qualität aufwandsärmer gesichert werden? Die Gäste diskutierten über kluge Anreize, klare Rahmenbedingungen und die Frage, wie viel Vertrauen angesichts des demografischen Wandels angemessen ist.
- Was braucht eine Digitalisierung, die die Versorgung wirklich verbessert? Sie bringt Patientinnen und Patienten nur dann etwas, wenn sie einfach zugänglich ist, vernetzt arbeitet und einen erkennbaren Nutzen hat. Auch die Gesundheitskompetenz sollte mehr Gewicht bekommen.
Gemeinsam Lösungen finden
Im offenen Austausch wurde deutlich, wie wichtig der persönliche Dialog ist. Die Gäste vertreten aus ihren Bereichen teils unterschiedliche Interessen. Gleichzeitig gibt es viele Parallelen und gemeinsame Ansätze. Der Austausch schafft gegenseitiges Verständnis und kann Lösungen hervorbringen, die das gemeinsame Ziel in den Vordergrund stellen: eine verlässliche und hochwertige Versorgung der Menschen in Baden-Württemberg.
Wir danken allen Gästen für die offenen Gespräche und freuen uns auf den weiteren Austausch.
Hintergrundinformation
Nur der fachlichen und sozialen Expertise verpflichtet, ist der Medizinische Dienst Baden-Württemberg unverzichtbar für die gut funktionierende ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung in Baden-Württemberg.
Der Medizinische Dienst unterstützt Hilfebedürftige und ihre Angehörigen sowie Institutionen durch Beratung und Begutachtung, jederzeit neutral und unabhängig von Dritten. So trägt der Medizinische Dienst dazu bei, die Lebensqualität von hunderttausenden Menschen zu verbessern.
Gleichzeitig gewährleistet der Medizinische Dienst die richtige Allokation knapper Ressourcen und verhindert Ungerechtigkeiten. Der Medizinische Dienst ist Ansprechpartner und Experte in Gesundheitsfragen – nicht erst dann, wenn schon eine Notlage eingetreten ist. Für die Menschen ist der Medizinische Dienst ein Garant für Sicherheit und Gerechtigkeit in unsicheren Zeiten.
Seit der Gründung 1990 ist die Hauptverwaltung in Lahr/Schwarzwald angesiedelt. Elf Beratungs- und Begutachtungszentren sowie sechs Beratungsstellen garantieren eine flächendeckende Versorgung für Baden-Württemberg. Mit über 1.600 qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter rund 290 Ärztinnen und Ärzten sowie über 720 Pflegefachpersonen, spielt der Medizinische Dienst Baden-Württemberg eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen des Landes.