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Pressemitteilung |

SQR-BW Qualitätsbericht 2025 analysiert Notfallversorgung in Baden-Württemberg

• Über 2 Millionen Einsätze ausgewertet

• Mehr Verantwortung für Notfallsanitätspersonal zeigt sich in Zahlen

• Qualitätsmessung erfasst erstmals Reanimationserkennung in Leitstellen

 

Ob Herzinfarkt, Schlaganfall oder Unfall: Wie gut die Notfallversorgung in Baden-Württemberg funktioniert, analysiert die Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg (SQR-BW) auf wissenschaftlicher, datenbasierter Grundlage. Die SQR-BW ist beim Medizinischen Dienst Baden-Württemberg angesiedelt und veröffentlicht jährlich einen Qualitätsbericht zur Notfallversorgung im Land. Der aktuelle Bericht für das Jahr 2025 liegt nun vor – mit erfreulichen Entwicklungen, etwa bei der Schmerzbehandlung, aber auch mit Bereichen, in denen Handlungsbedarf bleibt.

 

Deckblatt des Qualitätsberichtes der SQR 2025

Kein anderes Bundesland in Deutschland wertet Notfalleinsätze auf diese Weise systematisch und transparent aus: Die SQR-BW analysierte im Berichtsjahr Daten aus 34 Leitstellen, rund 230 Notarztstandorten und 350 Rettungswachen in 35 Rettungsdienstbereichen und liefert damit das bundesweit einzigartige Lagebild zur Notfallversorgung in Baden-Württemberg. Insgesamt wurden dabei mehr als zwei Millionen Fälle ausgewertet: 1.148.185 Fälle mit Rettungswagen, 926.764 mit Krankentransportwagen und 244.194 mit notarztbesetzten Rettungsmitteln (bodengebunden und luftgestützt).  

Den gesamten Zeitraum vom Anrufeingang in der Leitstelle bis zur ersten Alarmierung eines Rettungsmittels bildet die Erstbearbeitungszeit ab.  In jedem zweiten Fall lag sie unterhalb von 2 Minuten und 19 Sekunden, in jedem 20. Fall unterhalb von 4 Minuten und 45 Sekunden. Die Unterschiede zwischen den Leitstellen waren weiterhin groß. Die Leitstelle mit der kürzesten Erstbearbeitungszeit war im Median nahezu doppelt so schnell wie die Leitstelle mit der längsten Zeit. Die Gesprächsannahmezeit lag in der Hälfte der Fälle bei höchstens fünf Sekunden, der Landeswert ist damit gegenüber dem Vorjahr unverändert. Nur noch zwei der 34 Leitstellen überschritten die im Rettungsdienstplan enthaltene Vorgabe von 15 Sekunden, die in 90 Prozent aller Fälle eingehalten werden soll. 

Sehr erfreulich: Bei Einsätzen ohne Notarztbeteiligung verbesserte sich das Ergebnis des Indikators Schmerzreduktion von 55,0 Prozent im Jahr 2024 auf 63,8 Prozent im Jahr 2025 – ein weiterer Anstieg, der die zunehmende Kompetenz und die Übertragung ärztlicher Maßnahmen auf qualifizierte Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter widerspiegelt. Noch 2023 hatte dieser Wert 46,5 Prozent betragen. 

Herz-Kreislauf-Stillstände stellen nicht nur Ersthelfende, sondern immer auch den Rettungsdienst vor besondere Herausforderungen. Ihr Anteil am notärztlichen Einsatzgeschehen stieg 2025 rechnerisch auf 6,6 Prozent (Vorjahr: 5,6 Prozent). „Die Zahl der Kreislaufstillstände ist gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen – sie ist in absoluten Zahlen sogar leicht zurückgegangen. Was sich verändert hat: Notarztbesetzte Rettungsmittel werden heute seltener zu leichteren Fällen gerufen als früher. Dadurch steigt der Anteil der wirklich lebensbedrohlichen Situationen an allen Notarzteinsätzen – und dazu zählen eben auch Herz-Kreislauf-Stillstände", erläutert Dr. Joachim Koster. 
Schaut man auf einen längeren Zeitraum, sind die Veränderungen bei Aufträgen von notarztbesetzten Rettungsmitteln noch deutlicher erkennbar: Die Aufträge bodengebundener notarztbesetzter Rettungsmittel gingen in Baden-Württemberg zwischen 2022 und 2025 um etwa 26 Prozent zurück. Der korrespondierende Rückgang der Aufträge luftgestützter notarztbesetzter Rettungsmittel betrug 22 Prozent. Ursächlich, so die Bewertung der Expertinnen und Experten der SQR-BW, sind auch hier die zunehmende Kompetenzstärkung und -erweiterung der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter. In diesem Zusammenhang erfolgte in den Jahren 2024 und 2025 komplementär die Überarbeitung und Implementierung des Notarztindikationskatalogs, der die Einsatzkonstellationen, bei denen ein Notarzt alarmiert werden sollte, beschreibt.

Prähospitalzeit noch nicht zufriedenstellend

Handlungsbedarf besteht hingegen bei der Prähospitalzeit, also der gesamten Zeit vom Eingang des Notrufs bis zum Erreichen der Zielklinik in bestimmten Situationen: Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand gelang der Transport in die Zielklinik innerhalb von 60 Minuten in lediglich 37 Prozent der Fälle. Bei lebensbedrohlich Verletzten waren es rund 39 Prozent. Dieser Wert sank gegenüber 2024 um zehn Prozentpunkte und erreichte damit den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Dr. Joachim Koster sagt: „Wer bei einem Unfall schwer verletzt ist, muss oft erst aus der Situation befreit und vor Ort stabilisiert werden, bevor der Transport möglich ist. Das kostet Zeit – und erklärt, warum die Uhr hier länger läuft als bei anderen Einsätzen".

Leitstellen erkennen knapp zwei Drittel der Reanimationen bei Notrufeingang

Für 2025 hat die SQR-BW zudem mehrere Qualitätsindikatoren angepasst und geschärft. Als Qualitätsindikatoren gelten Kennzahlen, die Hinweise auf die Qualität von Abläufen sowie der Versorgung im Rettungsdienst geben und Vergleiche nach einheitlichen Kriterien ermöglichen. 

Dadurch konnte erstmals im Bericht erfasst werden, wie häufig Leitstellen bereits beim Notrufeingang beziehungsweise bei der ersten Entsendung von Rettungsmitteln eine Reanimationssituation erkennen. Der Landeswert liegt hier bei knapp 65 Prozent. Somit ordneten die Leitstellen knapp zwei Drittel der später bestätigten Reanimationssituationen frühzeitig richtig ein – ein ausbaufähiges Ergebnis. Der durch die SQR-BW neu eingeführte Indikator dient den Leitstellen erstmals gezielt als systematische Grundlage, um diese Fälle im Nachgang zu analysieren und Optimierungsmaßnahmen anzustoßen.

Geeignete Klinik schnell gewählt 

Gerade bei der Wahl einer adäquaten Zielklinik erreicht der Rettungsdienst besonders gute Werte – hier die zwei stärksten Ergebnisse: Bei einem ST-Hebungsinfarkt, einer Unterform des Herzinfarkts, wurden bei Notarzteinsätzen 99,4 Prozent der Patientinnen und Patienten in ein Krankenhaus gebracht, das für die weitere Behandlung geeignet war. Bei akutem neurologischem Defizit, also bei Anzeichen eines möglichen Schlaganfalls, wählten Rettungsteams ohne Notarztbeteiligung in 97,6 Prozent der Fälle eine bedarfsgerechte Zielklinik.

Dr. Joachim Koster sagt: „Die Anforderungen an den Rettungsdienst sind vielfältig und komplex. Um dem Anspruch einer verlässlichen und qualitativ hochwertigen medizinischen Erstversorgung gerecht zu werden, braucht es eine ständige Weiterentwicklung.“

Andreas Klein, Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes Baden-Württemberg, ergänzt: „Entscheidend ist, diese Entwicklung mit verlässlichen Daten zu begleiten und konsequent dort nachzusteuern, wo die Versorgung noch nicht die gewünschte Qualität erreicht.“

Die Detailergebnisse zu den einzelnen Qualitätsindikatoren werden je nach Indikatorinhalt den beteiligten Leitstellen, Notarztstandorten und Rettungswachen systematisch zurückgespiegelt – als Grundlage für gezielte Verbesserungen vor Ort.

Den vollständigen Qualitätsbericht finden Sie auf https://www.sqrbw.de/sqr-bw/qualitaetsberichte zum Download.

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